Vorbereitung auf 48 Stunden Thüringenumrundung

Es fühlt sich an wie ein neues Kapitel, ein neuer Abschnitt, für den man keinerlei Erfahrung und Kenntnisse mitbringt. Als ehemaliger Radsportprofi kann ich zwar gut und, wenn es sein muss, auch schnell fahren, aber das Thema der Langstreckenfahrten ist für mich Neuland.

Ende 2011 habe ich meine sportliche Laufbahn beendet und bin mehr oder weniger nie vom Drahtesel weggekommen. Kurzzeitig habe ich in den Laufsport etwas mehr Zeit investiert und bin auch den ein oder anderen Marathon gelaufen. Jedoch haben die Zweiräder aus Carbon und mit schmaler Bereifung meine Leidenschaft wieder neu entfacht.

Die ersten Touren über 300km und mit einer gewissen inneren Ruhe zu absolvieren war anfänglich schon was ganz anderes. Mit der Zeit erlernte ich, diesen schmalen Grad zwischen „Hardcore Bolzen“ und „Laktat im Mund“ einzutauschen gegen ein moderates Tempo, das für den Großteil der Bevölkerung schon viel zu schnell ist, aber für die langen Touren genau richtig ist. Man lernt den Körper neu kennen. 10 Stunden aktive Bewegung und immer an der Grenze der individuellen Schwellenleistung ist für Körper und Geist echt aufregend.

Mit dem Projekt der TaTüTaTOUR steht 2021 trotz Corona – oder gerade wegen Corona – was ganz Besonderes in meiner Jahresplanung. Gemeinsam mit Fabian, der auf dem Weg ist, ein echter Langstreckenspezialist zu werden, bestreite ich die knapp 1150km lange Strecke entlang der Thüringer Landesgrenze im fliegenden Fahrerwechsel. Dabei gibt es Abschnitte, die 70-80km Länge vorweisen, aber viele Höhenmeter von einem abverlangen. Auch Nachtfahrten, die 120-130km lang sind und den bekannten Biorhythmus etwas aufwühlen, stellen eine besondere Herausforderung dar.

Als feststand, dass wir dieses Projekt rocken wollen, waren meine Gedanken anfänglich nur noch damit beschäftigt, wie ich mich darauf vorbereiten kann.

Zum einen habe ich mich am Anfang mit zwei Kernthemen beschäftigt. Erstens, wie bekomme ich es hin, auf den 48h ausreichend und effizient die richtige Dosis Verpflegung für den Körper zu organisieren? Und zweitens, die Frage nach dem unzweifelhaften Schlafmangel, der in den 48h auf einen zukommt.

Bei der Grundernährung auf dem Rad greife ich auf Flüssignahrung zurück. Eine Mischung aus Maltodextose, Salzen, Mineralien und anderen essenziellen Dingen sind darin enthalten. Gepaart mit Riegeln und Bananen, die ich gut vertrage, bin ich mir mittlerweile sicher, dass ich die Ernährung für diese 48h im Griff haben werde.

Die Vorbereitung für die Tour und das Üben, auch mitten in der Nacht eine gewisse Leistung abrufen zu können, war da anfänglich schon schwieriger. So stehe ich manchmal um 4 Uhr auf und gehe für 3h raus aufs Rad. Oder ich fahre spät abends los, um in die Nacht zu fahren. Mindestens zwei dieser Nachtfahrten habe ich aktuell pro Monat umgesetzt. So langsam spielt sich das auch ein und ich fühle mich weder müde noch fehlt die nötige Konzentration, um im Dunkeln auf schmalen Abfahrten alles wortwörtlich im Griff zu haben. Dazu kommt ein 24h Test mit Fabian, bei dem wir in Crawinkel unser Basecamp aufgeschlagen haben und von dort aus immer im Wechsel verschieden lange und verschieden schwere Strecken individuell gefahren sind.

Während meiner 2 Wochen Quarantäne habe ich auch für 20h die Zeit genutzt und diese Fahrtwechsel auf der Rolle simuliert. So habe ich am Nachmittag angefangen mit meiner ersten Rollensimulation und bin nach 3h abgestiegen. Außerdem habe ich es so minimal gestaltet, wie es dann eben auch sein wird. Mit Waschlotion und Lappen wurde etwas Körperhygiene gemacht, gegessen wurde nur das, was auch dann da sein wird und geschlafen wurde im Schlafsack. Klingt bekloppt, aber macht trotzdem Spaß.

Mit allen Maßnahmen bis heute fühle ich mich langsam aber sicher bereit für die Herausforderungen der TaTüTaTOUR.

Euer Seppel Lang